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Positive Fehlerkultur in Unternehmen

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von Vanessa Hillebrand
am 08.04.2021


Unter Fehlerkultur versteht man die Art und Weise, wie Gesellschaften, Kulturen und soziale Systeme mit Fehlern sowie deren Risiken und Folgen umgehen. Somit ist die Fehlerkultur auch innerhalb von Unternehmen ein zentrales Thema, da sie eng mit der Unternehmenskultur zusammenhängt.

Im zwischenmenschlichen Miteinander entsteht ein bestimmter Umgang mit Fehlern. Daraus ergibt sich eine Fehlerkultur, d.h. wie Fehler betrachtet, bewertet und letztlich mit diesen umgegangen wird. Bereits als Kinder haben wir gelernt, täglich mit Fehlern umzugehen und anhand dieser zu reifen und uns weiterzuentwickeln. Doch im Laufe der Zeit werden Fehler seltener zugegeben und wenn, neigen wir dazu, uns die Frage zu stellen, wer für den Fehler verantwortlich ist.

In Branchen wie der Luftfahrt oder der Medizin ist eine Just Culture längst gelebte Praxis. Hierbei wird betont, dass Fehler weniger ein Produkt einzelner Menschen sind, sondern Fehler innerhalb der Organisation liegen. Für die Verankerung einer positiven Fehlerkultur ist also nicht das „Wer?“, sondern die Frage nach dem „Warum?“ ausschlaggebend. Um sich die Frage, warum ein Fehler passiert ist, überhaupt stellen zu können, bedarf es einen Umgang mit Fehlern, der von einer Kultur des Vertrauens und Offenheit geprägt ist. Denn: Fehler bleiben oft unentdeckt, wenn Mitarbeiter diese nicht melden. Eine offene Fehlerkultur im Unternehmen hängt daher maßgeblich von der Führungskultur ab.

Um einen offenen Umgang mit Fehlern zu prägen, ist es wichtig zu verstehen, wie dieser sowohl zur Entwicklung des Unternehmens als auch der Mitarbeiter beiträgt. In den meisten Fällen ist kein einzelner Fehler, sondern die sich durch Vertuschung ergebende Fehlerkette das Problem. Bei einer positiven Fehlerkultur geht es also nicht darum, sich gegenseitig vorzuführen. Vielmehr geht es darum, Fehlerquellen zu erkennen und diese im besten Falle zu beheben, sodass sich diese zukünftig nicht wiederholen. Durch die transparente Kommunikation der Fehler profitieren auch die anderen Teammitglieder und können an der Lernerfahrung teilhaben. Folgende Inhalte sollten dazu innerhalb des Teams geteilt werden:

·         Welcher Fehler ist passiert?

·         Warum ist er passiert?

·         Was wurde durch den Fehler gelernt?

Zur Verankerung einer offenen Fehlerkultur bedarf es einiger Richtlinien und Rahmenbedingungen. Zunächst ist die Definition von Fehlern und hierbei vor allem die Unterscheidung von unbeabsichtigten Fehlern und grober Fahrlässigkeit, ethischem Fehlverhalten sowie rechtlichen Verstößen unabdinglich. Daher gilt es festzulegen und zu kommunizieren, was keine Fehler sind. Denn Fehlertoleranz bedeutet nicht, Fehler um des Fehler willens zu begehen oder unkollegiale oder gar geschäftsschädigende Verhaltensweisen zu verharmlosen. Um Offenheit zu fördern, sollten Anreize und Formate geschaffen werden, Fehler zu melden. Das Team darf keine Angst vor Konsequenzen fürchten, wenn ein Fehler begangen und im Anschluss gemeldet wird. Um Mitarbeitende zu motivieren, Fehler frühzeitig und offen zu kommunizieren, sollte auch seitens der Führungskräfte ein offener Umgang mit Fehlern gelebt und diese mit den entsprechenden Learnings daraus kommuniziert werden. Das Ziel einer positiven Fehlerkultur ist es, das Fehlertabu durch eine Lern- und Innovationsoffenheit zu ersetzen. Der transparente Umgang mit Fehlern trägt so zu einer insgesamt offeneren und wertschätzenderen Unternehmenskultur bei und fördert Weiterentwicklung.

Auch über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus hat sich vor allem in der Welt junger Unternehmen aus dem Begehen von Fehlern und Scheitern ein neues Veranstaltungsformat etabliert, die sogenannten „Fuckup Nights“. In diesem Konzept geht es darum, berufliche Fehler nicht nur innerhalb des eigenen Teams zu kommunizieren, sondern sie mit anderen Gründern und Interessierten auf lockere und humoristische Weise aufzugreifen und zu teilen. Ziel der Fuckup Nights ist es, gemeinsam die Fehlerursachen auszumachen und aus diesen Fehlern zu lernen. Ebenfalls sollen die Veranstaltungen zeigen, dass Fehler machen menschlich ist, Scheitern viele Seiten haben kann und dazugehört.

Das Wichtigste bei einer positiven Fehlerkultur ist also, Fehler offen zu kommunizieren, sie zu akzeptieren und zu analysieren, um so gemeinsam aus diesen zu lernen.

„Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein.“
Thomas Carlyle

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